Hauptstadt des Bieres

Alte Postkarte mit Bierkrügen und Blick auf Bamberg

Neun Braustätten, zwei Handelsmälzereien und eine Brauereimaschinenfabrik – in keiner anderen deutschen Stadt hat sich die Bierkultur so lebendig erhalten wie in der oberfränkischen Domstadt Bamberg. Das Buch „Bamberg, die wahre Hauptstadt des Bieres“ ermittelt einen anschaulichen Eindruck über die vielhundertjährige Tradition des Bierbrauens in Bamberg bis zur Gegenwart.

 

Brauer und Büttner

Der wohl früheste urkundliche Beleg für das Bier im Raum Bamberg findet sich im Jahr 1093 in Verbindung mit dem Domkapitular Odalricus, der in seinem Testament verfügt, den Armen jährlich am 29. Juni aus den Erträgnissen seines Gutes neben Brot und Fleisch auch drei Eimer Bier zu reichen. In Bamberg und Umgebung wurde das Brauhandwerk wesentlich von den Klöstern beeinflusst. Die Mönche betrieben in der Regel Weinbau und förderten mit der Kultivierung von Hopfen zugleich die Braukunst – schließlich war Bier nicht nur in der Fastenzeit ein nahrhaftes, sondern auch ein ganzjährig wohl schmeckendes Getränk.  Die bürgerliche Tradition des Bierbrauens steht in der Region Bamberg in engem Zusammenhang mit dem Büttnerhandwerk. In den Namen zweier bekannter heimi­scher Braustätten, dem „Fässla“ und dem „Eckenbüttner“, kommt die enge Verbin­dung zwischen dem Büttner- und dem Brauhandwerk zum Ausdruck. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts hinein entwickelte sich die Bamberger Brautradition parallel mit dem Büttnerhandwerk. Erst die zunehmende Industrialisierung schuf mit dem Braumeister einen eigenen Beruf und forcierte die Entwicklung zur Mas­senproduktion. Der traditionelle Handwerksberuf des Büttners wurde im ausgehen­den 20. Jahrhundert zur Historie.

Büttner stellten Fässer in allen Größen her

 

Der Bamberger Bierkrieg

Wie wichtig den Bambergern „ihr Seidla Bier“ immer schon war, zeigte sich im Jahr 1907. Übereinstimmend hatten die ansässigen Brauereien beschlossen, vom 1.Oktober an den Bierpreis von elf auf zwölf Pfennige anzuheben. Die Bamberger Bürgerschaft formierte sich rasch zu einer Einheit und boykottierte das Bier der lokalen Braustätten. Zuerst wollten die Braumeister die Krise aussitzen, als aber immer mehr Pferdegespanne mit Bierfässern aus Forchheim nach Bamberg rollten, gaben sie ihren Widerstand auf. Am 7. Oktober nahmen sie die Erhöhung des Bierpreises zurück und beendeten damit den Boykott der Bürger

Postkarte zur Erinnerung an den Bamberger Bierkrieg

Rückgang der Braustätten

Die beginnende Industrialisierung hatte erhebliche Auswirkungen auf die örtliche Brauereistruktur. Das Jahrhunderte alte Handwerk sah sich innerhalb weniger Jahre mit gänzlich anderen Produktionsverfahren konfrontiert. Braustätten, die nicht rechtzeitig in neue Maschinen investierten, fanden keinen unternehmerischen Nachfolger und waren zur Betriebsaufgabe gezwungen. Dadurch reduzierte sich die Zahl der Braustätten kontinuierlich. Der größte Verlust an Braustätten ist jedoch zwischen 1915 und 1920 zu beob­achten, also der Zeit des Ersten Weltkriegs und der nachfolgenden wirtschaft­lichen Depression. In diesen fünf Jahren mussten alleine in Bamberg zwölf Brau­stätten schließen – jede dritte Brauerei wurde stillgelegt. Besonders dramatische Auswirkungen hatte der Mangel an landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Energie­trägern. Auch in den folgenden Jahrzehnten nahm die Zahl der Bamberger Brau­stätten weiter ab. Rückgang der Braustätten in Bamberg

… auf den Keller gehen

Eine Besonderheit des Bamberger Bieres war die Lagerung und Kühlung in unterirdischen Felsenkellern sowie der anschließende Genuss „auf“ den Bierkellern. Schon vor knapp zwei Jahrhunderten beschrieb Johann Albert Joseph Seifert diese Bierkeller als „Eigenthümlichkeiten der Bamberger Bierfabrikation“. Neben dem Michaelsberg, dem Kaulberg und dem Jakobsberg existierten auf dem Stephansberg die meisten Felsenkeller. Ein großer Baumbestand sorgte für zusätzliche Beschattung der unterirdischen La­gerräume. Die Idee, im Sommer das kühle Bier in einem Garten über den Felsen­kellern auszuschenken, entstand nahezu zwangs­läufig. Ihre Jahrhunderte alte Funktion verloren die Bierkeller erst, als Carl Linde die Kälteerzeugungsmaschine entwickelte. Die Tradition, „auf den Keller“ zu gehen, hat sich aber bis heute er­halten.

Blick vom Spezialkeller auf Bamberg

Weiterführende Links:

• Brauereien in Bamberg

• historische Braustätten in Bamberg

• Betriebe der Brauindustrie